Thomas Gurrath – Interview

Ihr erinnert euch an mein leicht fassungsloses Posting über den Frontmann von der Metalband Debauchery, der von der ganz normalen staatlichen Schule vor die Wahl gestellt wurde, entweder “freiwillig” zu gehen oder sich von seiner eigenen Leidenschaft demonstrativ über mehrere Jahre hinweg zu distanzieren?

Hier gibt es ein sehr interessantes Interview dazu.

Erinnerungen

Weiße Rose
gefüllt mit Blut
Weiße Rose
Schmerz und Wut

Wilde Schönheit
so unerträglich
Glückseligkeit
wie ist es möglich

dass so viel Glück
und so viel Einklang
von Leid und Blut
und Schönheit sein kann?

Wieder da!

Hach, ich bin wieder da. Ich meine, so richtig da. Die Chaoskatze, die der halben Welt auf den Sack geht und sich des Lebens freut.

Denn das hat in den letzten Tagen ziemlich nachgelassen gehabt. Uuuuund – gestern war der erste Tag seit Beginn des letzten Chemozyklus’, an dem ich wieder normal und richtig essen konnte, ohne dass der Magen ernsthaft darüber nachgedacht hat, eine Revolution anzuzetteln. Yeah! Als Belohnung habe ich ihm gestern eine nette Pizza gemacht, mit Serranoschinken, Parmesan und Rucola. Yammm… Ich wünschte, ich hätte eine Holzofenpizza. Wobei… Lieber nicht – das wären garantiert 20kg pro Jahr ;)

Nun ja. Eigentlich wollte ich nur kurz sagen, dass ich wieder da bin. Was heißt, dass ich eigentlich nicht mehr so da bin, ich muss unbedingt lernen (gefühlte 392 Vorlesungen nacharbeiten) und nebenbei heute nacht arbeiten (klasse, schlafende Kinder können auf einmal tatsächlich ruhig sein! ernsthaft!); außerdem müssen wir die nächste WG-Party vorbereiten (wer kommen will, soll sich melden :D), die Jungs wollten auch grillen (ich frage mich allerdings, wie sie das schaffen wollen, wir haben nämlich weder Grill noch Rasenmäher noch Sichel oder sowas). Außerdem bin ich auf akutem Kickerentzug. Hat jemand zufällig einen guten Kickertisch günstig zu verkaufen? Wenn ja, möge er sich bitte melden :D

Öhm ja. Ich wünsch euch allen, die ihr es tatsächlich geschafft habt, bis hierher zu lesen, ein wunderschönes und hoffentlich noch viel wärmeres Wochenende! *gruppenknuddel*

Nichts

Ich fühle mich nicht wohl. Das frustrierende ist, es ist nichts, was man anpacken kann, was man bekämpfen kann. Es ist einfach .. NICHTS. Ihr wisst schon. Das NICHTS, das Fuchur und Co. schon erkennen mussten, das NICHTS, das Fosters Schildkröte so ominös daherbeten kann (ich wünschte, unsere Politiker würden das mal lesen, den Gesichtsausdruck würde ich zu gerne sehen..)

Was ich sagen will – ich bin müde. Nicht im körperlichen Sinn, auch nicht in dem einer Depression oder so. Nein, es ist eher… wie eine Erschöpfung. Diese Kraftlosigkeit, die man hat, wenn einen anstrengenden Weg gegangen ist, bei dem es keinen Erfolg gegeben hatte. Wenn man in seiner Straba sitzt und nach Hause fährt und sich daran erinnern muss, dass man ab und an blinzelt und vielleicht demnächst aufsteht.

Es ist wie ein Käfig, aus dem man zu entkommen versucht, aber immer wieder versagt, versagen muss, denn der Käfig ist der Körper und der Tod ist zwar ein Weg, aber eine andere Abzweigung als die, die man zu erreichen sucht.

Gefesselt in einen Körper, der nicht das darstellt, was man selbst ist, eine Un-Gleichheit, dessen Variable man Tag für Tag neu berechnen, jede Minute selbst herstellen muss. Bei zu vielen, zu großen Variablen wird es schwieriger, denn dann muss man die Gleichungen aus seinem eigenen Leben herausziehen, diesem Ding, das viele Existenz nennen, viele aber auch Seele – oder nicht erreichte Leere.

Doch es ist eine erwünschte Leere, die nicht dem NICHTS entspricht, denn das NICHTS ist weniger eine Nicht-Existenz, eine Loslösung von selbiger als vielmehr eine fehlende Berührung des Seins, welches als erstes sein muss.

Und so versucht das Was-auch-immer, was wir Persönlichkeit nennen, die Spirale des Chaos zu nehmen, um die Existenz zu erreichen, nur um festzustellen, dass es wieder ein beschissener Kreis war.

Das macht keinen Spaß.

Frühling! =)

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich absolut wärme- und sonnesüchtig bin? Nein? Nun, ich bin es. Was heißt, dass jetzt so langsam mein persönliches Endorphingleichgewicht wieder hergestellt ist!

Heute ist der letzte Tag in dem diesigen Chemo und allein das macht mich schon glücklich, aber außer dem üblichen Theater lief es außergewöhnlich gut, was wohl am Wetter lag und daran, dass ich daheim bei meinem tollen Freund bin ♥

War viel draußen, habe sogar zwischendurch versucht, ein wenig zu lernen (hat aber nur begrenzt geklappt, Kopfschmerzen ist eine der Nebenwirkungen der Tabs gegen die Nebenwirkungen der Chemo ^^). Ansonsten hab ich meinem Freund beim Werkeln zugeschaut und teilweise mitgemacht:

  Mitmachen war aber nur begrenzt erfolgreich, ich bin einfach ziemlich unfähig für so praktische Sachen ^^

(PS: Der Pulli ist übrigens reiner Arbeitspulli, vom seinem Vater geklaut. Wenn er sowas im normalen Leben anhätte, müssten wir sehr lange diskutieren! *schauder*)

Die Kleine war natürlich auch froh ob des Wetters, gemütlich draußen liegen, versuchen, ein wenig Eis von den Nachbarskindern zu erbetteln und gucken, was passiert…

Es ist einfach ein Unterschied, ob man im Winter frustriert im Zimmer vor sich hin friert oder ob man die Sonne genießen kann..

Das ist übrigens unser Zuhause bzw. mein Wochenendzuhause ;)

Kaff am Arsch der Welt, tierisch nervig, wenn man einkaufen oder mal weggehen will, aber für die Tiere und draußen sitzen und so hat es seine Vorteile… =)

Gestern waren wir dann noch eine kurze Runde mit dem Motorrad unterwegs (am liebsten wäre ich ja heute damit nach Wü, aber ich fürchte, erst muss die Bremse erneuert werden…), waren bei der besten Holzofenpizzeria, die es hier in der Nähe gibt und haben einfach die Zeit genossen. Sowas ist toll. ♥

*gute-Laune-Tag*

Jaaawoll. Hab ich beschlossen ^^

Aber langsam. Habe die Nacht mal wieder kaum geschlafen, geht mir oft so in der Chemozeit – kein Wunder, der Körper wird abends wieder fit, ich selbst bin total genervt und unruhig, weil ich nichts vernünftiges auf die Reihe bekommen habe (konnte?) und dann würde ich lieber eine Party schieben als brav pennen zu gehen..

Diesmal war es dennoch ganz gut – habe ein wenig nachgedacht und nachdem sich meine Emotionen inzwischen wieder ein wenig beruhigt haben, konnte der Rest auch wieder halbwegs funktionieren. Habe mich jetzt dazu entschlossen, dass ich mir nicht so viel Stress mache und auf jeden Fall eine der Hauptklausuren erst im nächsten Semester schreiben werde. Das kostet mich zwar ein wenig Zeit, aber ich denke, das ist es wert. Außerdem ist der Druck dann nicht so krass, denn sonst müsste ich auf jeden Fall alle normalen Klausuren bestehen und Statistik ist nicht gerade mein liebster Freund…

Und wisst ihr was? Ich fühle mich tierisch erleichtert. Denke, das war eine gute Entscheidung. Sicher werden das einige kritisieren und mich für faul erklären, aber nachdem Selbige die Situation nicht mal ansatzweise einschätzen können, geht mir das mal peripher sonstwo vorbei…

Außerdem war ich heute morgen beim Augenarzt: ab übernächster Woche darf ich wieder Kontaktlinsen tragen! *rumhüpf und freu* Er hat gemeint, die Stärken stimmen bei den alten überhaupt nicht, kein Wunder, dass ich ständig schief gucke.. Die alten sind jeweils bei -7.0; die neuen sind bei -8.25 bzw. -6.25… Bin nur gespannt, was der Spaß diesmal kostet, vermutlich wieder 200 oder 300 €…

Und wer weiß, vielleicht rückt dann auch der Traum “Motorrad” ein wenig näher?

Nachher fahre ich nach Hause (welches hoffentlich immer noch nicht chaotisch ist – und wo Oma sich wieder heimlich eingeschlichen hat und die Fenster geputzt hat *g*), abends eventuell Essen gehen mit einem Freund / Kollegen und dann treffe ich mich noch mit einer sehr guten Freundin, das wird auch toll. Haben schon viel zu lange nichts mehr machen können!

Jetzt hoffe ich nur noch, dass das Wetter ein kleines Stückchen besser wird.. (wobei.. daheim haben wir ja auch eine Heizung… ^^)

6. Chemo – Tag 1

Mal wieder. Zum gefühlten 367ten Mal. Irgendwie nervt es tierisch.

Es ist kein Drama, es ist noch nicht mal wirklich schlimm. Keine Krise oder so. Aber es kostet Energie und Zeit. Für einen nicht unbedingt supergeduldigen Menschen wie mich nicht gerade geeignet *seufz*

Bin sehr gespannt, wie es diesmal wird. Keine Ahnung warum, aber ich habe kein gutes Gefühl.

Die üblichen Nebenwirkungen, platt, morgens schwindlig, zittern, bla bla bla.

Nicht-üblich ist allerdings, dass ich bereits am ersten Tag Gelenksschmerzen habe, vor allem Rücken und Knie (logisch), netterweise auch im linken Nierenbereich. Was von der elendigen Kälte kommen kann (unsere Vermieter haben uns das Gas abgedreht), genauso wie von der blöden Rippe. Oder von der geheimen Verschwörung sämtlicher Spaghettigötter. Oder so.

Habe versucht zu lernen. Nach einer halben Stunde habe ich aufgegeben, zu arge Kopfschmerzen. Was wahrscheinlich auch mit meinem Gedankenchaos zu tun hat. Ich würde so gerne dieses beschissene Vordiplom in diesem Semester schaffen. Aber ich habe die böse Vermutung, dass ich mich da ein wenig überfordere – ich bräuchte Ende Juli 3 normale Klausuren, eine Hausarbeit und eine Vordiplomsklausur; und im Oktober noch eine Vordipl. Letztere ist die entspannendste. Aber beide gehen über zwei Semester, den Stoff vom WS müsste ich also auch noch schnell nachlernen. Und nebenbei habe ich keine Ahnung, wann jeweils das Chemo ist.

*seufz*

Aber wenn ich von Anfang an sage, ich lasse mir mehr Zeit – da habe ich irgendwie ein schlechtes Gewissen. Mir selbst gegenüber. Damit gelange ich nicht meinen eigenen Anforderungen.

Nachdenklich

Gestern war ich bei der MRT-Kontrolle. Es lief alles gut, ich musste gar nicht lange warten. Spritze war ziemlich unangenehm (ich schätze, die Ader ist langsam halt auch tierisch genervt, ständig angepiekst zu werden), MRT normal (nur, dass ich fast eingeschlafen bin *flöt*). Danach mit meinem “Stammneuro” (*rofl*) gesprochen. Er meinte, dass sich nichts geändert hat, immer noch der übliche kleine Tumorrest, keine Erweiterung, keine Ödeme oder sonstige kleine Späßchen.

Haben danach noch kurz geredet (ihr wisst schon, nicht dieses Symptome abfragen, sondern einfach Interesse, wie es einem SELBST geht, nicht nur dem Körper). Das hat gut getan und mich ein wenig in Gedanken gebracht.

Ich glaube, was oft schwer fällt, ist, wenn man niemanden zu reden hat. Und damit meine ich jemanden, der wirklich versteht, was man meint. Mich begleiten immer wieder supertolle Leute, habe einen wunderbaren Freund und Freunde, bei denen ich mich ausheulen kann. Aber so nahe sie auch sind, so ganz verstehen können sie es nicht.

Viele sehen auch nur die Einzelheiten – die OP, die 5 Tage Chemo – aber nicht, dass es auch eine gewisse Dauerbelastung ist, die man ausgleichen muss. Andere wiederum würden einen am liebsten in ein Zimmer einsperren und ewig bemitleiden (was ja wohl das allerschlimmste überhaupt ist…). Viele hören einfach zu, diskutieren und reißen ein paar lustige Witze (hab ich erwähnt, wie sehr ich Ironie und Sarkasmus mag?).

Es geht mir nicht um Mitleid, beim besten Willen nicht. Eher um eine Art Anerkennung. Und je näher mir jemand ist, desto eher versteht er, was das alles für mich bedeutet; genauso, wie es eher jemand versteht, der Ahnung von der Geschichte hat. Hunderte von Fällen kennt, Vergleichsmöglichkeiten hat. Das gibt eine größere Ebene, auf der man sich verstehen kann.

Ich glaube, ich würde gerne ein oder zwei Leute kennen, die in derselben Situation sind wie ich – will heißen, Hirntumor, vll sogar ein Astro III, Student, mein Alter… So viel ich weiß, bin ich aber so untypisch, dass es da nicht viele Möglichkeiten gibt. Diese Hirntumorart tritt eher ein paar (so 20 oder 30) Jahre später auf und dann ist es auch eher ein IIer oder ein Glio. Und das verändert einfach die Situation. Man kann sich mit vielen Leuten toll unterhalten. Aber irgendwie wäre es schon schön, mit jemandem zu reden, dem es genauso geht.

Und dennoch…

Morgen habe ich wieder MRT. Wie alle drei Monate. Wie immer anmelden, warten, MRT, warten, Besprechung. Wie immer.

Und natürlich weiß ich, dass sich nicht so viel an einem Tag ändert. Dass es keinen Hinweis darauf gibt, dass sich etwas geändert hat.

Genauso, wie ich weiß, wie die Daten sind, die Wahrscheinlichkeiten. Wie mögliche Symptome aussehen könnten. Das Potential von Chemo, von Temodal speziell.

Es ist davon auszugehen, dass sich nicht viel geändert hat.

Und dennoch bin ich nervös.