Ethik der Ärzte….

Vorgestern merkte die Chefin nebenbei an, dass ich doch bitte noch einen Zettel ausfüllen solle. Was ich nach der Arbeit dann gleich gemacht habe. Und fast einen Schock bekam.

Die ersten Fragen waren ja noch harmlos. Dann wurde es lustig: “Sind Sie drogenabhängig?” Ich habe sämtliche ironische Kommentare, die mir eingefallen sind, brav ignoriert, noch nicht mal doofe Bemerkungen über Koffein und Co. gemacht und lieb verneint.

Doch bei den nächsten zwei wurde ich sehr schnell unruhig:

“Hatten Sie Operationen? Wenn ja, welche?”

Gut, habe nur meine Schulter-OP reingeschrieben – Mandeln und Polypen sind nun mal nicht besonders spannend, Augen auch nicht und der Rest wurde schon in der nächsten Frage angesprochen:

“Haben Sie momentan akute Erkrankungen?”

Oh.

Mein Herzschlag ging nach oben. Ich will den gottverdammten Job nicht verlieren….

Aber auch nicht meine Ehrlichkeit, allein aus Prinzip, von den rechtlichen Konsequenzen mal ganz abgesehen.

Habe nur “EDS III, Astrozytom” geschrieben. Was alles relativ variierbar sein kann, mal ganz davon abgesehen, dass die meisten älteren Ärzte nicht einmal was von EDS gehört haben, geschweige denn sofort alle Typen kennen.

Bis jetzt kam kein Kommentar, aber der zuständige Arzt ist auch nicht jeden Tag dort. Ich weiß nicht, ob er den Zettel schon erhalten hat.

Ich glaube, was mich so ankotzt, ist, dass man sofort anders betrachtet wird. Davor war ich eine, die halt aus irgendwelchen Gründen das Studium abbrechen musste. Jetzt bin ich “die mit Krebs”. Als ob ich es nötig hätte, mich dadurch zu definieren!

Welche Fragen dem Arzt wohl beim Lesen durch den Kopf gehen werden? Also, von den medizinischen Fragen mal abgesehen. Fürchtet er, dass ich irgendwann ausfalle, nicht mehr in der Lage bin zu arbeiten? Erkennt er die Ironie? Rein empathisch gesehen macht er auf mich den Eindruck, als wäre er ein Arzt, der seine Patienten noch als Menschen sieht, nicht als Fälle. Er kümmert sich um seine Angestellten, fragt immer mal nach, betrachtet uns nicht als weniger wert, wie es doch viele tun. Erkennt an, dass wir auch arbeiten, wenn auch es natürlich ein ganz anderer Bereich ist als seiner.

Aber wird er damit einen inneren Konflikt haben? Mit dem unbewussten Wissen, dass ein Vollkrüppel seinem Arsch hinterher putzt? Er, der einen großen Teil seines Lebens dem Ziel gewidmet hat, solchen Leuten zu helfen? Dass das eine Arbeit ist, die selbiger Krüppel medizinisch gesehen nicht unbedingt machen sollte, die schmerzhaft ist und schlecht für die kaputten Gelenke?

Wird er dem entgehen wollen, indem er die ganze Sache von sich weg schiebt?

 

An die Mediziner unter euch bzw. an die Leute, die in einem ähnlichen Bereich arbeiten – was würdet ihr in so einer Situation denken/fühlen/machen?

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7 thoughts on “Ethik der Ärzte….

  1. wildes Huhn sagt:

    Was sind das denn für Fragen in einem Arbeitsverhältnis? Mir werden solche Fragen nur bei der Blutspende gestellt… Und ich frage gleich weiter – an die Juristen: Dürfen die das? Und wenn ja, darf Chaoskatze nicht unbehelligt lügen?
    total irritiert
    wh

  2. drkall sagt:

    Ich bin weder Jurist noch Arzt aber war mal Arbeitgeber.
    An sich geht den AG die Krankengeschichte eine feuchten Kehricht an, und auf unberechtigte Fragen darf man auch ohne Folgenbefürchten zu müssen falsch antworten.

    Einzig Fragen nach Sachen, die _unmittelbaren_ Einfluss auf die ausgeübte Tätigkeit haben würden,sind erlaubt, so zum Beispiel, ob es ein ärztliches Verbot für längeres Stehen gibt, wenn es um eine Verkaufstätigkeit in einer Bäckerei geht oder etwa die Frage nach Einschränkungen beim Heben und Tragen für einen Job als Möbelpacker. Diese Fragen müssen aber hinreichend konkret sein, d.h. die allgemeine Frage nach Operationen ist unzulässig. Ebenso dürfte in diesem konkreten Zusammenhang die Frage nach der Drogenabhängigkeit höchst problematisch sein, es sei denn, es wäre z.B. eine Tätigkeit mit Publikumsverkehr und besonderer medizinischer Verantwortung. “Akute Erkrankungen” sind auch zu wenig konkret, dagegen dürfte in einer medizinischen Praxis die Frage nach _ansteckenden_ Erkrankungen erlaubt sein und müsste dann auch wahrheitsgemäß beantwortet werden. Ebenfalls nicht erlaubt ist die Frage nach einer Schwerbehinderung, wobei der besondere Kündigungsschutz übrigens auch dann gilt, wenn der AG bis zu einer evtl. Kündigung nichts von der Schwerbehinderung wusste. Es reicht, wenn er unmittelbar danach erfährt, dann muss die Kündigung mit dem Integrationsamt neu verhandelt werden. Lediglich, wenn man den zusätzlichen Urlaub in Anspruch nehmen will, muss der AG informiert werden. Auch die Diagnose, die zur Schwerbehinderung geführt hat, geht den AG nichts an.

  3. blogwesen sagt:

    Das ist eben allgemein so in unserer Gesellschaft…Wer krank ist…Na ja, der ist eben nicht im Arbeitsmarkt ergo arm etc…und findet keinen vernünftigen Job…Dann muss der Kranke eben wider seiner eigenen Gesundheit handeln… nur um irgendetwas zu haben…

    Ob dein Arbeitgeber den Zusammenhang erkennen wird??? Nun ja, evtl. schon…Ist dann eben die Frage, was er eben als entscheidender ansieht…Seine Praxis, dein Wohlergehen vs. Guter Tat und mehr Geld für dich…

    Obwohl einem der Job manchmal körperlich schadet, baut es einen ja andererseits auch wieder seelisch auf…Wenn ich nicht noch politisch aktiv wäre und meinen Wochenendjob hätte, käme ich mir völlig überflüssig vor…(Taschen heben etc.ist sicherlich auch nicht ideal)

    Das mit dem Stigma der Krankheit ist so eine Sache…
    Mich nervt das auch unendlich immer wieder gefragt zu werden und irgendwie das Mitleid in den Augen der Leute zu sehen…Obwohl ich ja immerhin keinen Krebs habe, aber ich hab halt ne Gangstörung und bin oft in einem Schmerzcrash halb tot…Aber es ist schwer den Leuten klar zu machen, dass Sie nix ändern können und mir nicht helfen, indem sie mich bedauern und ständig zu fragen wie es mir geht..Etc…

  4. Carpe tempus sagt:

    Ich muss sagen, dass mich das eigentlich nicht so erstaunt, zumindest die Frage nach den Krankheiten nicht. Aber einfach deshalb, weil Du da in einem OP arbeitest. Wahrscheinlich müssen sie sicher gehen, dass da keine Gefahr für Dich ist und Du auch nicht die Patienten gefährdest. Wenn das ein Einstellkriterium gewesen wäre, hätten sie Dich ja vorher gefragt und nicht nach Beginn der Arbeit.
    Frag doch einfach mal nach, wieso sie das wissen wollen. Frei nach dem Motto: Huch, das wollte ja noch keiner von mir wissen. Dann wirst Du ja hören, was sie sagen.

  5. Niflhel sagt:

    Vielleicht hamse auch einfach nur angst, dass du grippe hast, aus Rache auf den putzlappen rotzt, und die viren im ganzen OP- saal verteilst? :D

  6. katerwolf sagt:

    mach dich nicht verrückt. und ich drücke dir die daumen, dass du deinen job weitermachen kannst. kann dich gut verstehen *knuddel*

    liebe grüße, katerwolf

  7. quadratmeter sagt:

    Vermutlich liegt das an der Arbeitsstelle, dass man dich das alles gefragt hat? Verwuderlich finde ich alelrdings den Zeitpunkt, das hätte man dann doch direkt zu Beginn thematisiert?

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