Abtreibung

Inspiriert durch die Diskussion von Medizynicus‘ Artikel, gewürzt durch unsere schöne Diskussion über Religionen etc. würde es mich doch mal glatt interessieren, wie ihr das seht.

Seid ihr grundsätzlich gegen Abtreibung? Nur bei bestimmten Gründen? Abhängig von der Situation?

Und wie lässt sich das mit eurem religiösen und/oder ethischem Glauben vereinbaren? Mit dem deutschen Gesetz?

An die Ärzte: seid ihr durch eure gesetzlichen Verordnungen oft zu einer Handlung gezwungen, die nicht eurer persönlichen Überzeugung entspricht?

Kurze Beispiele für diese Differenzen..

Zahl der Abtreibungen

Ärzte & Spätabtreibungen

Todesfolgen nach Abtreibung

Exkommunizierung der Ärzte / Mutter (falls psychisch instabil: hier Triggergefahr!)

15 Kommentare zu “Abtreibung

  1. blogdrama sagt:

    okay. kurz gefasst… wir reden hier nicht von „Abtreibung nach Vergewaltigung“ oder so. Ich bin immer wieder entsetzt, wenn ich mitbekomme, mit welcher Selbstverständlichkeit heute abgetrieben wird. Mich schockiert es, wenn Abtreibung als eine Art Form der Verhütung betrachtet wird.

    Wo bitte ist der gesunde Menschenverstand? Wo ist die Verantwortung? Wir haben heute alle Möglichkeiten, NICHT schwanger zu werden. Wir sollten das hinkriegen, oder?

    Es schmerzt mich besonders, da ich viele Frauen kenne, die sich sehr sehr ein Kind wünschen, aber keines bekommen können. Das in Kontrast dazu, wie respektlos und leichtfertig andere mit ihrem Körper und dem Leben umgehen.

  2. medizynicus sagt:

    Also zunächst einmal: In meinem Blog ging es um Hinrichtungen bzw. Todesstrafe! Das ist ein ganz anderes Thema!
    Die Entscheidung betrifft zunächst einmal allein die schwangere Frau selbst. Selbst der schwängernde Mann steht da erstmal außenvor.
    Diese Entscheidung trifft die Frau aufgrund ihrer eigenen religiösen und moralischen Überzeugungen. Andere Menschen können, dürfen und sollen sie beraten – aber keinen Druck oder Zwang ausüben.
    Wenn die Schwangere sich gegen die Austragung des Fetus entscheidet, wird sie die Hilfe eines Arztes benötigen.
    Ob der Arzt die Abtreibung vornimmt oder nicht, wird er individuell entscheiden – auftrund der Kenntnis des individuellen Falles, wobei die eigenen religiösen und moralischen Wertvorstellungen selbstverständlich eine Rolle spielen. Und die sind bei jeem Arzt unterschiedlich.

  3. nani sagt:

    Ich bin für verantwortungsvollen Umgang mit der Abtreibung, aber grundsätzlich ein absoluter Befürworter.

    Ich tue alles mir mögliche, um nicht schwanger zu werden.
    Ich habe keine Kinder, will auch keine Kinder und könnte dank einer Erkrankung ohnehin kein Kind austragen.
    Schwanger werden kann ich aber schon.
    Da ich nun wie gesagt aber grundsätzlich ohnehin keinen Kinderwunsch habe(was seine Gründe hat und worüber ich nicht diskutiere) und schon gar nicht erleben will, wie es ist, dann doch schwanger zu sein, das Kind aber zu verlieren, verhüte ich.
    Sollte es dann doch passieren (denn bekanntlich ist außer Abstinz keine Verhütungsmethode zu 100% sicher), würde ich mich für eine Abtreibung entscheiden.
    Das ist ALLEINE MEINE Sache und darüber hat niemand anders zu urteilen!

    Wenn ich sowas lese wie „andere Frauen wollen soooo gerne ein Kind“ und dass alle, die abtreiben, respektlos und unüberlegt handeln, wird mir schlecht.
    Was hat der Kinderwunsch anderer mit MEINEM Leben zu tun? Wer erlaubt sich, MEINE Entscheidungen zu beurteilen und zu bewerten,ohne auch nur ansatzweise die Hintergründe dafür zu kennen?

    Oft genug zeugt die Entscheidung gegen eine Schwangerschaft sogar von Respekt gegenüber dem Leben, denn nicht jeder ist befähigt, ein Elternteil zu werden, nicht jeder ist frei von Erbkrankheiten, nicht jeder ist alt genug oder jung genug für ein Kind, nicht jeder wurde gewaltlos schwanger.
    Ich denke nicht, dass sich irgendeine Frau die Entscheidung zur Abtreibung leicht macht, sie dann noch zu verurteilen, ohne die Hintergründe zu kennen, ist inakzeptabel.
    Es ist eine individuelle Entscheidung und geht niemanden etwas an außer die Betroffenen.

    Übrigens ist mein Schwager Chefarzt der Gynäkologie einer großen Klinik und strenggläubiger Katholik. Abtreibungen vorzunehmen hat für ihn jedoch nie einen Konflikt mit seinem Glauben dargestellt.

  4. Benedicta sagt:

    ICH würde nicht abtreiben – nicht mal nach einer Vergewaltigung (das Kind kann ja nix dafür, dass der Erzeuger ein Idiot war – entsprechende Genetik-Theorien sind inzwischen gründlich widerlegt ;)).
    Eine mögliche Ausnahme wäre das, was nani sagt – wenn klar wäre, dass ich das Kind sowieso nicht austragen kann. Evtl auch, wenn mein Leben in Gefahr wäre. Allerdings ist beides bei mir eher unwahrscheinlich, also werde ich vermutlich das Glück haben, dass mir dieser Gewissensentscheid erspart bleibt.

    Was den gesellschaftlichen Aspekt betrifft, so denke ich, dass das in erster Linie die Schwangere entscheiden sollte. Die allermeisten treiben aus (seelischer oder materieller) Not ab – denen noch Mühlsteine um den Hals zu hängen mit irgendwelchem ethischen Zeugs ist unangebracht. Ich bin aber dafür, die Möglichkeit zu schaffen, nicht abzutreiben – also z.B. umfangreiche materielle Hilfe, Beratungsangebote, anonyme Adoption und alle diese Dinge. Wenn es nämlich eine Alternative gibt, sehen die Abtreibungswilligen vielleicht noch einen anderen Weg. Abtreibung tötet nämlich nicht nur das Kind, auch die Abtreibenden leiden darunter!

  5. blogdrama sagt:

    ich dachte ich hätte mich deutlich genug ausgedrückt, aber offensichtlich nicht. Ich habe nicht gesagt „alle die abtreiben, handeln respektlos und unüberlegt“. Da braucht’s der lieben Nani gar nicht schlecht zu werden. Ich finde es lediglich verantwortungslos, wenn Abtreibung als gängiges Verhütungsmittel eingesetzt wird. Und das ist leider heute häufig der Fall.

    Es gibt mit Sicherheit Szenarien, in denen eine Abtreibung das beste für alle ist, auch für das Kind. Und natürlich darf jeder über seinen Körper und sein Leben selbst bestimmen. Von medizinisch begründeten Fällen gar nicht zu sprechen.

    Was gibt’s dagegen einzuwenden, dass ich angeführt habe, dass viele Frauen sich ein Kind wünschen, aber keines bekommen können? Es IST so. Ich habe nicht gesagt, dass diese dann lieber die Kinder der anderen adoptieren sollen… Aber wenn ich das sehe, wie stark der Wunsch bei den einen ist, und wie achtlos manche (s.o., nicht alle) dieses Geschenk wegwerfen, dann darf es mich doch wohl schaudern, oder nicht?

    • nani sagt:

      Und genau das glaube ich eben nicht und das bestätigte mir auch mein Schwager, man kann Abtreibung wohl kaum als Verhütungsmittel bezeichnen und es wird heute auch nicht so gehandhabt, auch wenn manche Medien das gerne so überzogen darstellen. In seiner Klinikrealtität kann davon ganz und gar nicht die Rede sein.

      Es gibt immer Ausnahmefälle, ich kannte mal ein Mädel, die meinte immer nur, wenn sie schwanger würde, würde sie halt abtreiben, Kondome sind zu teuer. Tja, heute hat sie 3 Kinder und sieht diese Aussagen von damals ganz anders 😉
      Vielleicht gibt es diese Ausnahmefälle, die zig mal abtreiben und nichts dazu lernen, wirklich- Pro7 und RTL wollen einem das ja gerne weismachen (da ich aber selbst mal für deren Castingagentur gearbeitet habe, weiss ich, dass diese Sendungen zu 90% gefaked sind). Aber sie sind ganz sicher nicht die Regel!

      Es ist eben nicht für jede Frau ein „Geschenk“, schwanger zu werden, auch das muss man akzeptieren.

      • Benedicta sagt:

        Meine Mutter hat mal in einer Beratungsstelle gearbeitet und dort eine solche Frau kennen gelernt – mit mehreren Abtreibungen hintereinander.
        Daher: Ja, es gibt solche Fälle. Häufig sind sie aber eher nicht.

  6. Su-Mu sagt:

    ich würde wohl abtreiben, wenn ich vergewaltigt worden wäre oder aber das Kind sehr krank auf die Welt kommen würde.

  7. wuestenrot sagt:

    Ich kann zu diesem Thema keine Aussage treffen solange ich nicht in dieser Situation zu entscheiden bin. Ich weiß nicht mal wie ich reagieren würde, wenn sich herausstellen sollte, mein Kind käme behindert zur Welt. Ich weiß es nicht.

    Ich finde Abtreibung ist eine Möglichkeit die es gibt und die auch genutzt werden darf. Jeder, wirklich jeder muss das für sich entscheiden und ich kann es nicht mal entscheiden, nachdem ich schon stundenlang darüber nachgegrübelt habe.

    Des Weiteren glaube ich das vorher getroffene Aussagen oft- nicht immer- dann doch nicht zutreffen, wenn es so kommt.

  8. löwin sagt:

    Ich habe abgetrieben- und es war weder ne leichte Entscheidung, noch ein leichtfertiger/respektloser Umgang damit.
    Aber- es gab für mich keine andere Wahl, da stellten sich gar nicht erst ethische oder moralische Fragen.
    Trifft sozusagen das „abhängig von der Situation“ 😉
    und @blogdrama_
    „Wo ist die Verantwortung?“ – die Verantwortung war genau das, nämlich abzutreiben. Es wäre verantwortungslos gewesen wenn ich gesagt hätte ich trage das Kind aus. verantwortung kann auch heißen, sich dagegen zu entscheiden…nicht nur dafür.
    Was mich damals sehr gestört hat war der Umgang der Beratungsstelle damit- der Mensch dort hat jegliche Bedenken ignoriert, absolut nicht ernst genommen was ich gesagt habe bzw was meine Gründe dagegen waren, Beratung war das schlicht und ergreifend nicht- was mich wiederum in der Entscheidung bestärkt hat. Was ja eigentlich nicht Sinn der Sache war…
    Trotzdem halte ich an sich das System mit Beratung inkl. der Wartefrist für sehr sinnvoll.

    • Benedicta sagt:

      Was mich interessieren würde – wäre es für dich möglich gewesen das Kind zu behalten, wenn es Hilfsangebote gegeben hätte (finanzielle/organisatorische/schulische Unterstützung,…)?
      Wenn ja, welche hättest du dir gewünscht?

      • löwin sagt:

        Nein- es lag bei mir nicht an fehlenden Hilfsangeboten bzw an der Frage Kind behalten oder nicht, das größte Problem an der Sache wäre die Schwangerschaft an sich gewesen.

  9. frau kuni sagt:

    frau kuni alias (ex)-blogdrama sagt: genau die Argumentation von Löwin finde ich eben NICHT verantwortungslos. es tut mir leid, dass meine Aussagen offenbar so missverständlich sind, aber jetzt weiß ich langsam nicht mehr, wie ich’s noch formulieren soll. Die Einsicht in Abtreibung-statt-Verhütung habe ich übrigens nicht aus SAT1 oder RTL, sondern im regionalen Umfeld 2x authentisch so erlebt. Wenn das nur Einzelfälle sind (was mir aber nicht so vorkam), bin ich ja wirklich froh. Ich stimme Euch völlig zu, dass es mitunter auch für Verantwortungsbewusstsein spricht, sich gegen ein Kind zu entscheiden. Keine Frage.

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