Alltag?

*nachdenklich*

Seit einiger Zeit bin ich ja wieder zurück in meiner Unistadt und versuche, den Alltag wieder herzustellen, in das „normale“ Leben zurück zu kommen. Nur irgendwie weiß ich bis heute nicht, ob das so recht funktioniert…

In einer akuten Situation ist es nicht allzu schwierig, mit komplizierteren Sachen umzugehen – das ganze System ist auf „Ausnahmeregelung“ geschaltet und gerade dann fallen einem die Herausforderungen vielleicht leichter als in weniger extremen Fällen. Dazu kommt die Unterstützung, die man bekommt – jemand mit Krebs wird eher unterstützt als jemand mit Grippe, obwohl es, von ein paar Kleinigkeiten abgesehen, gar kein sooo großer Unterschied ist.

Im Alltag ist es irgendwie … komischer. Ich finde keine passenden Wörter, aber ich wette, jeder von euch hat das schon mal erlebt. Beispielsweise nach der Trennung von einem geliebten Menschen oder sogar dessen Tod oder eben auch nach so einer Sache wie Krebs.

Ich versuche gerade, wieder zurück zu finden.. Muss auf meine nächste Klausur lernen (Panik……), meine Jobs, Musik, weggehen… Nur… funktioniert das?

Habe das Gefühl, dass es eben nicht funktioniert, dass ich nicht genug schaffe. Immer im Hinterkopf, was ich noch erledigen müsste, wollte, sollte… Gestern mit einer guten Freundin gelabert und sie hat mir gesagt, dass ich mich nicht so unter Druck setzen soll. So, wie ich sie kenne, hat sie recht (das hat sie meistens ^^), aber mein Gefühl sagt eben was anderes.. Ok, zugegebenermaßen sollte ich mich vielleicht nicht unbedingt nur mit anderen Studenten vergleichen… Aber dennoch. Mit wem denn sonst? Ich vergleiche mich im Normalfall mit dem, was ich mir von mir selbst wünschen würde bzw. als angemessen empfände. Und rein objektiv ist meine Leistung nicht ausreichend.

Ich schaffe es immer noch nicht, mehr als 2 oder 3 Stunden zu lernen (wenn überhaupt), mein Kreislauf geht immer mal wieder flöten, der Körper weiß nie, ob mir jetzt zu kalt ist oder zu warm, zittern. Nur – wo sind die Grenzen? Ab wann ist es Leichtsinn, die Zeichen des Körpers zu ignorieren, ab wann ist es selbstmitleidiges Jammern, jeden Mist durch die Körpergeschichten zu entschuldigen?

Wann ist es ok, den Tag zu genießen und abends feiern zu gehen und ab wann ist es einfach nur Blödsinn, 3 Nächte zu feiern?

Ist es die Faulheit, zu sagen, man geht doch nicht schwimmen oder ist es einfach ein Hören auf das innere Gefühl?

Ab wann ist es Selbstentschuldigung und Selbstbeachtung, ständig zu den Ärzten zu rennen und ab wann ist es Leichtsinn, es nicht zu tun?

Ab wann ist es ok, weniger Leistung im Studium zu bringen und dennoch zufrieden zu sein und ab wann ist es einfach eine Ausrede?

Ich MUSS die körperlichen Probleme größtenteils ignorieren, ich MUSS dem Krebs die Macht aberkennen – darf mich nicht dem hingeben, sonst würde ich mich selbst verlieren. Genauso, wie ich wieder den Alltag finden muss – das Studium hinbekommen, die nächste Klausur, meine Hobbies und Träume.

So viel Chaos im Kopf…. Montag ist wieder Blutkontrolle, wenn alles passt, dann wieder Chemo… Muss lernen – bald ist die Klausur und die muss ich auf jeden Fall bestehen… EEG-Kontrolle bei meinem Neuro (erinnert mich übrigens an Dr. Geldgier – hat auch einige Blätter in seiner Praxis aufgehängt, die seine Meinung zur Medizinpolitik bzw. -gerechtigkeit eindeutig zeigen ^^), aber ich fürchte, er ist gar nicht glücklich – sollte alle 3 Monate und das letzte Mal war ich im August… vielleicht bald den nächsten Job anfangen, mal gucken, ob ich angenommen werde (mein anderer Job kann mich gerade net gebrauchen..).. Morgen WG-Party… Jede Menge Leute haben Geburtstag und ich mag das doch nicht vergessen… Wollte eigentlich mindestens 1x die Woche schwimmen gehen.. In ein paar Wochen fängt Job 3 an.. Daheim wollten wir auch noch paar Sachen erledigen, Treppe muss an der Seite neu gestrichen werden…

Ich kenne so viele Leute, die so stolz auf sich sein können, so viel schaffen… Ich bin momentan gar nicht zufrieden mit mir und so ein Ungleichgewicht ist nie gut.. Irgendwie muss ich es doch schaffen, wieder in den Alltag zurück zu finden… Nur … wie?

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5 Kommentare zu “Alltag?

  1. Jinlys sagt:

    Wie Du das machen sollst?

    Na… Schritt für Schritt!

    Du weißt, dass ich großen Respekt vor Dir habe, und dass ich sicher bin, in Deiner Situation ganz und gar nicht so gelassen bleiben zu können wie Du. Daher hoffe ich, dass Du meinen Rat nicht als anmaßend empfindest – wer weiß, ob ich selbst mich daran halten könnte.

    Aber dass es Dir schwer fällt, alles gleichzeitig anzugehen, zeigen doch die Gedanken, die Du Dir gerade machst. Uni, Job, Freunde, Geburtstage, Termine… so viele offene Baustellen, und Zeit, die Du in einer davon investierst, geht Dir in allen anderen verloren.

    Wenn man nur das Ende der Reise vor Augen hat, das, wo man irgendwann mal hin will, dann erscheint einem der Weg manchmal so endlos. Unschaffbar, und die Größe des Ganzen lähmt einen geradezu.

    Man kann nicht alles immer komplett durchdenken… manchmal muss man einfach damit anfangen, einfach machen.

    Und ich habe die Erfahrung gemacht, mache sie immer wieder, dass Bauchgefühl ein verdammt sicherer Indikator ist. Wer sonst, wenn nicht Du, sollte am besten wissen, was gut für Dich ist? Wer, wenn nicht Dein eigener Körper, sollte Dir sicherere Warnsignale geben?

    Hör auf ihn… hör auf Dich.

    Und lass Dir Zeit.

    Viele liebe Grüße,
    M.

    • chaoskatze sagt:

      *knuddel*
      Ach, ich weiß nicht.. Ich stell es mir viel anstrengender vor, wochenlang jede Nacht mehrfach aufzustehen – ich denke, viel ist nur Gewohnheitssache.
      Zeit lassen.. War mir schon immer schwer. Aber gut, irgendwann werd ich das schon hinbekommen. Hoff ich mal.

  2. Seven sagt:

    Warum kommen mir diese Gedanken nur so bekannt vor? Ich kenne sie sehr gut von mir selbst – habe zwar nicht sooviel Schicksal(?) auf den Schultern wie Du aber es ist genug um immer „anders“ zu sein „nicht belastbar“.
    Und jedesmal wenn man wieder auf der Nase liegt die Stimme im Ohr die sagt „siehste, war doch klar, Du kannst das eben nicht alles – lass es lieber gleich!“ Ich bewundere Deinen Mut und Deine Kraft sehr dich nicht „darein“ fallenzulassen und Dienen Teil vom Leben zu fordern!
    Ich lerne es ganz langsam meinen Körper zu verstehen – übe das schon einige Jahre länger als Du 😉 aber es wird. Eben langsam, aber es wird! Drück Dir die Daumen und schicke einen Packen Geduld ‚rüber :-).

  3. frau kuni sagt:

    ich glaube nicht, dass Du Dir ernsthaft Gedanken machen musst, ob Deine Argumente „faule Ausreden“ sind. Und ob Du nicht mehr machen müsstest. So wie ich Dich hier im Blog wahrnehme bist Du doch eher jemand, der nix liegen lässt und seine Dinge auch anpackt und erledigt. Du brauchst das. Also wenn Dich Dein Körper und Dein Geist zur Ruhe mahnen, dann glaub ich kannst Du ohne schlechtes Gewissen und ohne zuviel Hinterfragen darauf hören. Gestehe es Dir doch zu, dass Du nicht so „funktionierst“ wie Du es von DIr erwarten würdest, solange Du krank bist. Ich find Deine Stärke und Dein Potenzial immer noch enorm.

  4. chaoskatze sagt:

    Danke, ihr Lieben! =)
    Ich denke, ich bin auch grundsätzlich recht optimistisch, nur manchmal fangen einen doch die Zweifel ein… Dank Leuten wie euch kann ich doch ab und an schneller rennen!

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