Gebärdensprache – ein Anfang

Als Jugendliche sah ich das erste Mal die Gebärdensprache. In einem Zug, zwei junge Frauen diskutierten und ich war beeindruckt, wie elegant, wie lebhaft das aussah. Und fing auch an, darüber nachzudenken, wie es wohl sein mag, seine Umwelt nicht zu hören, sprachlos zu sein.

Doch ich vergaß das Thema schnell wieder. Ab und an erkundigte ich mich nach Fortbildungsmöglichkeiten, doch alles, was es in meiner Stadt gab, waren ab und an einzelne Wochenendseminare, die ich damals schon für sinnlos hielt – was sie ja auch sind, wie will man so eine Sprache schon an 2 Tagen lernen…

An dem Tag, an dem mein erster Tumor erkannt wurde, wurde ich schmerzhaft daran erinnert: wie es sich anfühlt, sich nicht verständigen zu können, einsam zu sein. Wie die Welt um einen rum weitergeht und man nicht dazu gehört, still und leise verschwindet. Kein schönes Gefühl.

(Wobei ich keine Ahnung habe, wo die Gebärdensprache neurologisch läuft. Also, ob bei bestimmten Aphasieanteilen Gebärdensprache noch machbar wäre oder nicht…)

Jetzt habe ich endlich damit angefangen. Der Kurs ist zwar ein ganzes Eckchen entfernt, aber nachdem mir Entfernungen ja nichts ausmachen und ich auch nicht mehr unbedingt die Zeit habe, zu warten, ob hier irgendwann auch eine Fortbildungsmöglichkeit entsteht…  Diese Woche war der erste Termin.

Praktisch ein reiner Weiberhaufen, ein verlorener junger Mann, sonst nur Frauen. Die meisten sind jünger als ich bzw. ca. gleich alt, eine Frau ist älter und scheint aus persönlichen Gründen teilzunehmen; eine hat Probleme mit dem Hören; eine hat mehrere gute Freunde, die gehörlos sind; einige mit beruflichem Interesse.

Die Chefin der Bande ist eine gehörlose Frau, die aber dennoch sehr gut sprechen kann. Grammatikalisch merkt man gar keine Fehler, die Aussprache ist wirklich gut, Respekt. Bei ihr wie auch bei ihrem Ehemann liegt die Gehörlosigkeit an einem genetischen Defekt, was aber eher selten ist.

In dieser Stunde hat sie geredet, ab dem nächsten wird es wohl nur auf Gebärden beruhen, ich bin gespannt. Diesmal gab es einen kurzen Abriss an historischen Daten, ein paar Anfangserklärungen und das ABC. Das wir bis zum nächsten Mal möglichst können sollten. Und einen Namen sollen wir uns suchen. Der offizielle Name ist uninteressant, das Buchstabieren dauert zu lange, ist zu umständlich. Gut, da hab ich es leicht, mein Name wird, welch Überraschung, Katze sein. ^^

Bis dahin werde ich fleißig weiter üben. Was schwerer ist als gedacht. Ich weiß nicht, ob es den anderen auch so geht, aber mir fällt es wirklich schwer. Weniger von den Gebärden her, sondern von den Muskeln. Ich habe schlicht und einfach Muskelkater. Außerdem sind ein, zwei Gebärden äußerst unpraktisch für einen EDSler. Denn an einer bestimmten Stelle blockieren sich gewisse Knorpel, das muss ich noch austesten.

Alles in allem war es sehr interessant, aber auch sehr anstrengend. Sowas bin ich einfach nicht mehr gewohnt… Bin gespannt, wie es weiter geht…

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3 Kommentare zu “Gebärdensprache – ein Anfang

  1. sharmaynn sagt:

    Gebärdensprache fand ich auch immer ne ganz tolle Sache. Es ist total faszinierend wie man auf diese Art und Weise eine ganze Unterhaltung abhalten kann. Beim googlen bin ich zufälligerweise mal auf diese Seite gestoßen. http://www.spreadthesign.com/de/

    LG

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