Gedichtewelt

Dank einer Studentin, die ihren Krebs mit einer Tapferkeit und Mut entgegentritt, die ich sehr bewundere, wurde ich auf Robert Gernhardt aufmerksam, ein deutscher Schriftsteller und Maler, der 2006 verstarb.

Hier also aus „K-Gedichte“ von 2004:

Krankheit als Chance

Heute: Beim Hosenkauf

 

Hosenkauf ist tief verhasst,

wenn dir keine Hose passt.

 

Dito ist er hoch genant,

wenn dir jede Hose spannt.

 

Ergo cancelst du den Kauf,

fliehst den Ort in schnellen Lauf

 

und verschiebst das Wiederkommen,

bis du wieder abgenommen.

 

Doch da du kein Stück abnimmst,

folglich auch nicht wiederkommst,

 

trägst du Kleidungsstück und Los,

bis am End die alte Hos,

 

lebenssatt und ausgeweitet,

dich noch in den Tod begleitet.

 

Die Gesunden sind zumeist

selbst im Grabe rund und feist,

 

während wer an Krebs erkrankt,

peu à peu per se verschlankt.

 

Erstens weil er, operiert,

schon mal an Substanz verliert.

 

Zweitens weil er, therapiert,

nicht mehr nach Genüssen pliert,

 

da die Chemikalien beiden,

Aug wie Bauch die Lust verleiden.

 

Ergo macht sich Unlust breit,

doch du merkst zur gleichen Zeit,

 

dass dir, weil du gierverlassen,

bald schon alle Hosen passen.

 

Und du hörst von allen Seiten:

„Du siehst gut aus, Herrschaftszeiten!“

 

Also, sei dem Krebs nicht bös,

denke vielmehr generös:

 

„Ich bin schlank, die Welt ist rund:

Nur wer krank ist, lebt gesund.“

 

 

Ich verliere nicht die Hoffnung, dass mir das auch passiert ^^

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