Der Wartezeit-Versuch

Wie ihr wisst, bin ich ja ein Fan von der Organspende.  Allgemein wird das Thema totgeschwiegen (haha…), wie andere tabuisierte Themen in diesen Bereichen. Dabei vergessen wir im Alltag oft, dass das nicht nur Daten sind, sondern Menschen, die unter ihrer Situation leiden. Teilweise, weil es keine andere Möglichkeit gibt. Teilweise aber auch dann, wenn sich etwas machen ließe. Wenn wir nicht immer schweigen würden…

Es gibt genug Daten, die zeigen, dass viele durchaus bereit wären, ihre Organe zu spenden, aber einfach keinen Ausweis haben. Andere wollen sich nicht mit diesen Themen beschäftigen. Und genau damit verschlimmern wir indirekt die Situation.  Denken, wir würden den Tod verweigern, doch der gewinnt nun mal immer…

Aber was ist, wenn wir nicht über die Theorie diskutieren, sondern selbst betroffen sind? Wenn wir Leute kennen, Leute sehen, die darunter leiden? Meist findet das nicht im Alltag statt. Was, wenn doch?

Hier ein äußerst beeindruckendes Video, ein Schicksal in einer Minute…:

Der Wartezeit-Versuch

Was meint ihr dazu?  Was habt ihr gedacht, gefühlt, als ihr das Video gesehen habt? Mich würde interessieren, wie es euch dabei ging…

Organspende – Vorsorge

Und ein ernstes Thema muss auch mal wieder sein: Organspende.

Oft erwähnt, selten ernst angesehen. Jeder hat mal darüber nachgedacht – die wenigsten haben etwas gemacht. Warum?

Nun, ich denke, viele Leute wollen sich einfach nicht damit beschäftigen. Klar, bedeutet es doch auch, sich mit einem nicht unbedingt leichten Thema auseinander zu setzen. Leider ist das ungefähr genauso dämlich wie sein ganzes Geld auszugeben und nichts für das Alter zu sparen. Und was anderes ist es doch nicht! Irgendwann wird man nun mal sterben und anzunehmen, dass das garantiert erst passieren kann, wenn man älter als 90 ist, ist nichts anderes als naiv.

Doch ganz ehrlich – was passiert, wenn ihr morgen einen Autounfall habt und schwer verletzt komatös im Krankenhaus seid? Eure Familie, eure Leute müssen sich jetzt entscheiden, ob ihr weiter“leben“ sollt oder nicht, wie ihr beerdigt (oder was auch immer) werdet. Das ist nicht gerade höflich oder verantwortungsbewusst, an solchen Dingen können Leute zerbrechen…

Habe vor ein paar Jahren mich mit diesem Thema beschäftigt und alles geregelt: Ich darf nicht über Langzeit im Koma liegen, bei extremen Verletzungen, die es mir verbieten, halbwegs selbstständig zu leben, darf ich  nicht künstlich weiterernährt werden etc. Dazu steht fest, dass mein Körper nach dem Tod gespendet wird. Das hat sich für andere Patienten aufgrund meiner Erkrankungen wohl leider erledigt, aber ich denke, der Forschung bringt das schon etwas. Wie kann man von der Medizin ständig neue Erkenntnisse erfordern, wenn man selbst nichts dafür gibt? Und auch Medizinstudenten müssen ja erst mal lernen, wie man mit einem Körper umgeht…

Ich weiß, dass meine Verwandten, meine Leute wirklich erleichtert darüber sind, zu wissen, was ich möchte und was nicht. Wer für was verantwortlich werden könnte und so weiter. Ich hatte auch das Gefühl, dass ein paar Mediziner nicht unbedingt böse darüber waren, haben auch vor den schwierigen OPs immer um eine Kopie dieser Dinge gebeten.

 

Wie denkt ihr darüber? Habt ihr Organspende, Patientenverfügung und ähnliches? Wenn nein, warum nicht? Was hat eure Familie, was würdet ihr euch wünschen? Wart ihr schon einmal mit solchen Problemen konfrontiert?