Cymbalta (Duloxetin), Tilidin…

Chemo ist vorbei und lief eigentlich ganz gut. Zwei Tage waren nicht so toll, aber wohl eher aufgrund der neuen Nebenwirkungen. Alles im erträglichen Bereich, eigentlich sogar ziemlich entspannt.

Die Nebenwirkungen vom Duloxetin haben mir aber gar nicht gefallen… War ziemlich aggressiv (kommt ja auch richtig gut, wenn man erstmal den Chef anmotzt… O.o Zum Glück hat er mir das nicht übel genommen…), hatte absolut keinen Hunger, dafür Übelkeit… Und vor allem schien es mir, als wäre ich praktisch nicht so ganz dabei.. An sich hat alles gut funktioniert, habe mein Zeug erledigt und das alles. Aber praktisch emotionslos. Als würde ein Teil von mir die Dinge machen und ein Teil sitzt daneben und schaut zu und ist total desinteressiert. Habe teilweise stundenlang keine Musik gehört (was nicht unbedingt typisch ist), bin kaum raus gegangen, solche Sachen. Nee, da habe ich mich nicht wohl gefühlt…

Deshalb nach 8 Tagen abgebrochen. Einen Tag ziemlich Kopfschmerzen gehabt, jetzt fühle ich mich wieder normal…

 

Das Tilidin reduziere ich gerade auch gewaltig. Gestern den neuen Rekord: 8 Tropfen insgesamt! Hah! Mal gucken, vielleicht bleibe ich heute ganz ohne. Rücken ist nicht so begeistert davon, aber der muss damit leben. Basta. Keine Lust, ständig zuknallt durch die Gegend zu rennen…

 

Lustig war allerdings: durch das Tilidin bekomme ich immer sehr kleine Pupillen – durch das Cymbalta sehr große. Bin ständig durch die Gegend gerannt als hätte ich unterschiedliche Tagesdrogenzeiten ^^

 

Tramadol vs. Tilidin

Immer wieder heiß diskutiert, welches ist besser, welches ist gefährlicher, welches hat mehr Nebenwirkungen. Wobei das sehr unterschiedlich zu sein scheint.

 

Tramadol kann ich schon länger nehmen, Tilidin erst seit einigen Monaten. Beides nehme ich nicht regelmäßig, sondern nur unter bestimmten Umständen.

 

Tramal habe ich in Tropfenform, wirkt also sehr schnell und direkt. Außerdem hat es bei mir nie Suchtverhalten ausgelöst. Allerdings hat es bei mir die Eigenschaft, sehr schnell die Atmung zu reduzieren. Dazu kommt, dass ich mich sehr schnell daran gewöhnt habe. Einmal hatte ich überdosiert – interessantes Erlebnis. War zugegebenermaßen ein extrem geiles Gefühl. Gleichzeitig war mir komplett egal, was um mich rum passierte. Unter anderem auch, dass ich nur noch sehr wenig atmete. Nicht gut. Gar nicht gut… Später teilte mir einer der Ärzte mit, dass ich dabei an Atemdepression hätte sterben können… *urks*

 

Seitdem habe ich lieber die Finger von gelassen. Jetzt bin ich bei Tilidin Retard, niedrigste Dosis. Dort kommt es nicht so schnell zu Atemdepression und wirkt langsamer. Vertrage es gut und es wirkt auch wirklich sehr gut gegen Schmerzen. Allerdings gibt es einem auch ein sehr gutes Gefühl von Zufriedenheit… Gefährlich. Ärztin meinte, solange ich es nur 1, 2x die Woche nehmen würde und mir dabei die Suchtgefahr bewusst wäre, wäre die Gefahr relativ gering.

 

Wobei ich es da schwer finde, Sucht zu definieren… Habe einige Geschichten von Leuten gelesen, die auf Entzug waren und danach genau dieselben Medikamente wieder bekommen haben. Sehr sinnvoll…

 

Wie sind eure Erfahrungen?

Tramadol

Tramadolhydrochlorid. Ein zentral wirkendes Schmerzmittel der Opioid-Gruppe. Und eines, das sehr unterschiedlich betrachtet wird.

 

Rein aus chemischer Sicht betrachtet gilt Tramal als eines der harmlosesten Opioide und ist dementsprechend auch eines der wenigen, die unter das Arzneimittelgesetz, aber nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.

 

Wenn man sich allerdings ein wenig im Internet umschaut, stellt man schnell fest, dass dem wohl nicht so ist. Überall Berichte von Sucht, von mehreren Entzugsversuchen, von relativ leichter Manipulation der Ärzte. Ganz offen wird darüber diskutiert, welche Gründe am besten ankommen, um am schnellsten an diese Medikamente zu kommen.

 

Was wohl einerseits von den ziemlich üblen Kopfschmerzen, die man durch das Zeug bekommen kann wie auch von den psychischen Effekten verursacht wird.

 

Nachdem ich nie länger als maximal ein paar Tage Tramal genommen hatte, blieb mir die Sucht bis jetzt erspart. Damals hatte ich eine Lumbalpunktion aufgrund des Verdachts von Borreliose kurz nach meiner ersten Tumor-OP bekommen und gehört natürlich prompt zu dem Zehntel an Patienten, die einen sogenannten postpunktionellen Kopfschmerz abbekamen. Will heißen, nachdem ich mir die halbe Seele aus dem Leib gekotzt hatte, hatte ich das glorreiche Vergnügen, ungefähr 2 Wochen lang sakrische Kopfschmerzen zu haben, die im Liegen erträglich waren.

Ich glaube, ich habe die ersten 3 Tage zusammen keine 2 Liter Wasser getrunken, nur um das Aufstehen, das nun mal notwendig war, um aufs Klo zu gehen, zu vermeiden.

 

Egal, ich verquatsche mich schon wieder. Wobei – egal, ihr lest das ja freiwillig… ;-P

 

Nun ja, seit einem halben Jahr nehme ich immer öfter Tramal. Will heißen, teilweise sogar einmal pro Woche. Sicher nicht ausreichend, um süchtig zu werden oder gar eine Toleranz zu entwickeln.

 

Gestern hatte ich Kopfschmerzen. Die Art von Kopfschmerzen, die gar nicht mehr lustig sind – spätestens, wenn man ernsthaft darüber nachdenkt, das Ding gegen die nächste Wand zu knallen oder feststellt, dass man die Falten im Gesicht nicht mal mehr mit Gewalt raus bekommt, sollte man über Schmerzmittel nachdenken. Dachte mir, ich beobachte es diesmal etwas genauer, zwecks Vergleich ohne/mit Gabapentin…

 

1. Dosis: nachmittags, 25 Tropfen

Empfohlen sind bei mäßigen Schmerzen 20 Tropfen und bei Bedarf nach 30-60min nochmal 20 Tropfen.

 

Wirkung: ganz nett, Schmerzen lassen für 2-3 Stunden ein wenig nach und das war es. Also wie immer… Beschloss dennoch, für die nächste Runde noch ein wenig zu warten – der Schlaf war mir wichtiger.

 

2. Dosis: wieder 25 Tropfen, abends um 23.30 Uhr.

Schmerzen lassen deutlich  nach, beim Liegen merkt man die Nebeneffekte, die so schnell süchtig machen können: Desinteresse, Zufriedenheit, Entspannung, Schwere.

Kann aber trotzdem nicht schlafen. Irgendwann, vermutlich ca 1 Uhr eingeschlafen. Um 3 Uhr wieder wach. Wegen den Kopfschmerzen. -.-

 

Nach langem Überlegen zum ersten Mal überhaupt die 3. Dosis: wieder 25 Tropfen.

Ergebnis: Kopfschmerzen sind tatsächlich weg. Schlafen leider auch. Nun ja, man kann ja nicht alles haben…

 

Irgendwann ins Träumen geraten, schläfrig, benommen. Morgens aufgestanden – und beim Versuch, zur Dusche zu kommen, erstmal fast gegen diverse Wände gerannt. Und – uhu, ich hatte es doch fast schon vermisst – meine Atmung war wieder sonstwo. Was ich aber nicht so recht mitbekam, das Interesse war nämlich mitgegangen.

 

Nachmittags um 15/16 Uhr kam so langsam der Rest meines Wesens hinterher und begutachtete die Uhr – 6-7x Atmen pro Minute. Nun ja.

Laut Internet:  In therapeutischer Dosierung hat Tramadol wegen seiner geringen μ-Selektivität keinen beachtenswerten Einfluss auf die Atmung und den Pulmonalarteriendruck.

Haha.

 

Kommentar vom Arzt vor einer Weile: So schlimm kann des doch net sein, weil des kommt bei Tramal net so schlimm vor.

Okaaaay…..

 

Ich finde es ja auch nicht schlimm (im Gegenteil, während der Zeit kann das durchaus amüsant sein – vor allem, wenn man wie ich heute der Straba hinterher rennt und ausnahmsweise nicht keuchend die schmerzenden Rippen zusammenhält), aber bevor ich die laut Zettel erlaubte Höchstdosis von 160 Tropfen ausprobiere, wüsste ich das gerne ein wenig genauer…

 

Wie schaut es denn bei euch aus? Tramal probiert? Wie waren eure Ergebnisse? Bzw bei den Ärzten: gerne am Verschreiben? Viele süchtige Patienten? Eure Meinung dazu?

 

 

 

Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Lumbalpunktion
http://de.wikipedia.org/wiki/Tramadol